Videomitschnitt des Gesprächs „Bewegte Zeit – Rückblicke auf das Jahr 1990“ online

 

 

Wir freuen uns, dass wir trotz der aktuellen Pandemielage eine weitere Veranstaltung der Reihe „Bewegte Zeit – Rückblicke auf das Jahr 1990“ umsetzen konnten – wenn auch anders als geplant.
 
Das Gespräch mit Torsten Cott und Thomas Eckardt haben wir aus Infektionsschutzgründen ohne Publikum im kleinen Rahmen aufgezeichnet. Eine weitere Gesprächsteilnehmerin, Martina Haunstein, und die Moderatorin, Anne Jelena Schulte, konnten leider nicht dabei sein. Die Moderation übernahm kurzfristig Katharina Kempken (ThürAZ).
 
Wir bedanken uns herzlich bei der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur für die Unterstützung der Veranstaltungsreihe!
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„Bewegte Zeit – Rückblicke auf das Jahr 1990“
 
Ab dem Sommer 1990 beeinflussten die Einführung der sozialen Marktwirtschaft und der D-Mark, der Tarifautonomie, der Gewerbe-, Niederlassungs- und Berufsfreiheit die persönlichen und beruflichen Biografien der DDR-Bürger*innen. Das Vakuum, das durch den Zerfall der politischen und wirtschaftlichen Strukturen der DDR ab Herbst 1989 entstand, brachte neben Unsicherheiten und Zukunftsängsten auch neue Möglichkeiten, sich an der Gestaltung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu beteiligen. Im „Jahr der Anarchie“ ergaben sich nach dem Wegbruch ideologischer und behördlicher Einschränkungen durch das SED-Regime unverhoffte Freiräume. Kulturelle Initiativen entstanden, die eigene Zeitschriften oder Fernsehsender ohne Lizenzen ins Leben riefen, die leerstehende Räume besetzten und als Clubs, Bars, Ateliers, Theater oder Galerien umnutzten. In Jena gründeten sich zwischen Januar und Oktober 1990 zahlreiche Vereine und Initiativen, die unabhängig von staatlichen Strukturen selbstbestimmt agieren wollten.
 
Wie wirkten sich der Prozess der Wiedervereinigung und die Übertragung westdeutscher Strukturen auf die neu errungenen Freiheiten und Spielräume aus? Wie empfanden die Akteure das letzte Jahr der DDR: als Freiraum, der schnell eingegrenzt wurde oder als entgrenzten Raum für die nun realisierbar erscheinenden Hoffnungen und Träume?
 
Diese Fragen stellen wir Engagierten aus der alternativen Kulturszene in der DDR und in der Transformationszeit 1989/90. Eingeladen sind die Jenaer Torsten Cott als Mitgründer des KuKuK e. V. und Thomas Eckardt als Mitinitiator des Jazz im Paradies e. V.