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3. Mai 2018

Podium: "Jena-Neulobeda: Alltag in einer 'sozialistischen Modellstadt' der späten Ulbricht-Ära"

Karl-Marx-Allee im Bau, Lobeda-West 1971, Quelle: Bauaktenarchiv der Stadt Jena

Eine soziale Dimension wurde in der DDR sowohl der Architektur als auch dem Städtebau zugeschrieben. Ideologisch-normativ sollten beide der „Herausbildung sozialistischer Beziehungen zwischen den Menschen“ dienen. Seit Ende der 1950er Jahre waren Architektur und Städtebau in den Dienst der „entwickelten sozialistischen Gesellschaft“ gestellt worden. Vor diesem Hintergrund griff die Deutsche Bauakademie in den 1960er Jahren das Leitbild der „funktionellen Stadt“ auf, das eine Geringschätzung der Altbausubstanz in den Innenstädten mit sich brachte.

Eine Umgestaltung zur „sozialistischen Modellstadt“ war Ende der 1960er Jahre auch für die Jenaer Innenstadt vorgesehen. Nach einem Entwurf des Architekten Hermann Henselmann sollte die Altstadt mit mehrgeschossigen Wohngebäuden überbaut werden – ein Plan, der letztlich nie umgesetzt wurde.

Bereits 1960 hatten darüber hinaus die Planungen für die Bebauung von Neulobeda in industrialisierter Blockbauweise begonnen, um den erhöhten Bedarf an Wohnraum für zuziehende Lehrlinge und Facharbeiter abzudecken. 1967 zogen die ersten Bewohner nach Lobeda-West, wenngleich das Wohngebiet noch einer Baustelle glich. Trotz des provisorischen Charakters war der Standort begehrt: Im Gegensatz zu den meisten Altbauwohnungen waren die Neubauwohnungen nicht nur mit Innentoilette, sondern auch mit Fernwärme und fließendem Wasser ausgestattet.

Wie sich über diesen komfortablen Aspekt hinaus der Alltag in einer Plattenbausiedlung in den 1960er Jahren gestaltete, beleuchtet das ThürAZ am lokalen Beispiel in einem Podiumsgespräch am 3. Mai. Über die Frage, inwiefern sich die politischen Ansprüche mit der Lebenswirklichkeit der Bewohner in Neulobeda deckten, spricht die freiberufliche Journalistin Doris Weilandt mit Stadthistoriker Dr. Rüdiger Stutz und dem Zeitzeugen Karl Otto. Zu Beginn steht ein Impuls durch den Stadthistoriker.

Podium „Jena Neulobeda: Alltag in einer ‚sozialistischen Modellstadt‘ der späten Ulbricht-Ära“

Gäste: Karl Otto, Dr. Rüdiger Stutz, Moderation: Doris Weilandt

Termin: Donnerstag, 3. Mai 2018, 19.00 Uhr im Stadtmuseum (Markt 7, 07743 Jena)

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.