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16. September 2016

Konzert mit KARIÄS

"Spielen nur mit Erlaubnis? Alternative Musikszenen in der DDR im Spannungsfeld von staatlicher Repression und Offener Arbeit"

Gespräch mit Zeitzeugen und Konzert mit Kariäs

Von der Norm abweichende Musik- und Jugendszenen standen in der DDR unter Beobachtung der SED und des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Sie waren  zahlreichen Repressionen ausgesetzt. Andersartigkeit entsprach nicht den Vorstellungen der Staatsführung und wurde aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Am Rande der Gesellschaft verbanden sich subkulturelle  Jugendszenen mit der Kirche und dabei vor allem mit der Offenen Arbeit der evangelischen Kirchen. Engagierte Pfarrer entwickelten Ende der 1960er Jahre das Konzept der Offenen Arbeit, um mit unangepassten Jugendlichen auf Augenhöhe in Kontakt zu treten und für sie eine vertrauenswürdige Anlaufstelle zu werden. Sie nahmen sich der Außenseiter an und boten ihnen einen Rückzugsort, indem sie sich frei entfalten und offen austauschen konnten. Hier wurde in Form von Akzeptanz eine Solidarität geübt, die sich von der Ausgrenzung und Repression durch die staatlichen Institutionen im positiven Sinne abhob. Angesprochen wurden gerade die Jugendlichen, die sich nicht mit den Normen und Werten der staatlichen Gesellschaft identifizierten. Gemeinsam mit den Jugendlichen organisierten kirchliche Jugendarbeiter Veranstaltungen, die die Interessen der jungen Menschen aufgriffen: darunter Bluesmessen, Rock- und Punkkonzerte, Open air-Festivals und Werkstätten.

Die Arbeit der Jungen Gemeinde Stadtmitte Jena verfolgte ab 1970 ebenfalls das Konzept der Offenen Arbeit und bot in diesem Rahmen jungen, unangepassten Musikern einen Ort  zum Proben und Auftreten. Sogar Aufnahmen konnten die Bands dort ab Mitte der achtziger Jahre machen, da an manchen Wochenenden die JG zum Aufnahmestudio umgebaut wurde. Das von Thomas „Kaktus“ Grund in der JG gegründete Label Hinterhofproduction bot Möglichkeiten für Bands, denen ihre Spielerlaubnis entzogen wurde oder die auf Grund ihrer Unangepasstheit keine erhalten hätten. Die Band airtramp war ab 1983 eine der ersten, die die kirchlichen Räume bis zu ihrer Ausreise  in den Westen zu ihrer Entfaltung nutzte. Sie baute den Kohlenkeller der JG Stadtmitte zum Probenraum um, in dem später auch die Sperma-Combo und Die Vereinigten Chaoten spielten.

In die Räume der Jungen Gemeinde Stadtmitte an der Johannisstraße 14 lädt das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“ am 16. September ein, um in der Tradition der Offenen Arbeit ein Konzert zu veranstalten. Die Jenaer Punkrockband Kariäs interpretiert Songs jener Bands, die in den 1980er Jahren in der JG Stadtmitte ihre musikalische Karriere starteten. Vor dem Konzert werden Oliver Jahn von airtramp und Sebastian Jende von den Vereinigten Chaoten ihre eigenen Erinnerungen und Eindrücke dazu schildern, welche Bedeutung die Junge Gemeinde Stadtmitte in der DDR der achtziger Jahre für sie einnahm.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der diesjährigen Reihe statt, die unter dem Motto ‚Vorwärts – und nicht vergessen‘: Solidarität in der DDR Vorstellungen von Solidarität in alternativen Teilgruppen der DDR-Gesellschaft untersucht. Die Reihe wird gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Gespräch mit Oliver Jahn (airtramp) & Sebastian Jende (Die Vereinigten Chaoten);

im Anschluss Konzert mit Kariäs

16. September 2016, 20.00 Uhr
Junge Gemeinde Stadtmitte Jena, Johannisstraße 14, 07743 Jena