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Thüringer Archiv für Zeitgeschichte (ThürAZ)

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13. Januar 2010

Zur aktuellen Situation im Streit um die Zukunft der Andreasstraße (Erfurt)

Mit der seit dem 1. Januar 2010 durchgeführten Besetzung der ehemaligen MfS-Haftanstalt Andreasstraße in Erfurt durch Mitglieder des Vereins Freiheit e.V. ist der Konflikt um die zukünftige Aus- bzw. Umgestaltung der Andreasstraße einmal wieder öffentlich artikuliert worden. Im Kern der Auseinandersetzung steht die Frage der zukünftigen Trägerschaft einer zu errichtenden Gedenkstätte. Damit unmittelbar verknüpft ist deren inhaltliche Konzeption. Ziel von Freiheit e.V. ist die alleinige Trägerschaft und die Einrichtung einer Haft-Gedenkstätte im Gegensatz zu dem derzeit favorisierten Ansatz eines Gedenk- und Lernortes zur Geschichte der SED-Diktatur in Thüringen.


Diese erneute Zuspitzung der Auseinandersetzung um die Andreasstraße halten wir für falsch. Wir haben bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass die Umsetzung der von der Expertenkommission vorgelegten "Empfehlungen zum Gedenk- und Lernort Andreasstraße" der richtige Weg gewesen wäre. Wir halten es nach wie vor für sinnvoll, die Stiftung Ettersberg mit der Trägerschaft zu betrauen und Freiheit e.V. mit der Gestaltung eines Ortes der Erinnerung innerhalb der Andreasstraße einen unabhängigen Bereich zu übergeben. Das Kultusministerium sollte diesbezüglich in Erwägung ziehen, den Gründungserlass der "Thüringer Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur" wieder aufzuheben.


Grundsätzlich ist anzumerken, daß die Begründung des Gedenk- und Lernortes letztlich nur über den Weg der öffentlichen Debatte und den Austausch aller Argumente vorgenommen werden kann. Der Respekt vor den Opfern zeigt sich letztlich im Aufbau einer Infrastruktur, die es ihnen ermöglicht, ihre Geschichte aufzuarbeiten. Dafür sind folgende Schritte notwendig:

1. das öffentliche Gespräch,
2. die Beteiligung der Fachwissenschaft,
3. die Stärkung der Beratungskompetenzen bezüglich der Folgeschäden.

Wir schlagen daher vor, ein öffentliches Forum aller Beteiligten durchzuführen und Ziele, Motivationen und Möglichkeiten im offenen Gespräch noch einmal zu erörtern. Wir bieten an, in einem solchen Forum als „unparteiische“ Dritte den Gesprächsprozeß mit zu moderieren.

mehr Informationen: www.gesellschaft-zeitgeschichte.de

Dateien:
pub100113_01.pdf