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Thüringer Archiv für Zeitgeschichte (ThürAZ)

Hausanschrift:
Camsdorfer Ufer 17
Jena 07749

Tel.: +49 (0)3641 228605
Fax: +49 (0)3641 229743

Öffnungszeiten:
Di 9-15 / Do 9-18
u.n. Absprache

 
 

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Mai - November 2009 in Jena und Erfurt

Forschungen aus dem Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk”

In Kooperation mit der Gesellschaft für Zeitgeschichte (Erfurt) veranstaltet das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk” (ThürAZ) eine Vortragsreihe zugleich in Jena und Erfurt. Die Reihe präsentiert laufende und abgeschlossene Forschungen, die jeweils auch auf der Auswertung von Beständen, welche im ThürAZ verwahrt werden, aufbauen. Die Veranstaltungen sind öffentlich, der Eintritt ist frei.

Vortragsreihe in Jena
Ort: ThürAZ, Camsdorfer Ufer 17, jeweils 19:30 Uhr

  • 25. Mai: Udo Grashoff, Schwarzwohnen in der DDR
  • 22. Juni: Reiner Merker, Die Wirkung einer Samisdat-Publikation: Zur Auseinandersetzung mit dem Uranbergbau der SDAG Wismut Ende der 80er Jahre
  • 6. Juli: Katharina Lenski, Universität zwischen Schaubühne und Geheimhaltung: Die FSU von 1968 bis 1989
  • 10. Sept.: Eckart Schörle, Wie lustig war die DDR? Witz und Lachen im Realsozialismus
  • 19. Okt.: Annette Leo/Agnes Arp und Studierende, Mein Land verschwand so schnell wie kein anderes - Thüringer Lebensgeschichten und die Wende 1989/90
  • 30. Nov.: Anne Stiebritz, Mythos „Offene Arbeit”

Vortragsreihe in Erfurt
Ort: Kleine Synagoge, an der Stadtmünze 5 (hinter dem Rathaus), jeweils 19:30 Uhr

  • 18. Mai: Reiner Merker, Die Wirkung einer Samisdat-Publikation: Zur Auseinandersetzung mit dem Uranbergbau der SDAG Wismut Ende der 80er Jahre
  • 15. Juni: Udo Grashoff, Schwarzwohnen in der DDR
  • 13. Juli: Katharina Lenski, Universität zwischen Schaubühne und Geheimhaltung: Die FSU von 1968 bis 1989
  • 14. Sept.: Eckart Schörle, Wie lustig war die DDR? Witz und Lachen im Realsozialismus
  • 12. Okt.: Annette Leo/Agnes Arp und Studierende, Mein Land verschwand so schnell wie kein anderes - Thüringer Lebensgeschichten und die Wende 1989/90
  • 16. Nov.: Anne Stiebritz, Mythos „Offene Arbeit”


ReferentInnen und Vorträge der Reihe „Forschungen aus dem Thüringer Archiv für Zeitgeschichte” (Mai - November 2009)

Dr. Agnes Arp, Historikerin, Universität Jena / Dr. Annette Leo, Historikerin und Publizistin, Berlin und Jena.

Studierende an der Friedrich-Schiller-Universität Jena fragten im Jahr 2008 im Rahmen eines Seminars am Historischen Institut sechzehn Thüringerinnen und Thüringer nach ihren Lebensgeschichten und nach jener entscheidenden Zäsur am Ende der achtziger Jahre, die alle ostdeutschen Biografien in der Rückschau unweigerlich in ein „Vorher” und ein „Nachher” teilt. Die Auswahl der Interviewpartner ergab sich eher zufällig. Das Spektrum der damaligen politischen Positionen und Überzeugungen reicht von der SED-Kreissekretärin bis zum Dissidenten und Dichter. Aber die Äußerungen der Zeitzeugen lassen sich nicht einfach in pro oder contra DDR bzw. Sozialismus einteilen. Es handelt sich vielmehr um sechzehn unterschiedliche Perspektiven auf das Leben im ostdeutschen Staat und auf die Jahre 1989/90, nicht schwarz und weiß sondern mit vielen Abstufungen von Farb-und Grautönen. Die TeilnehmerInnen des Seminars werden gemeinsam mit Dr. Annette Leo und Dr. Agnes Arp über den Prozess der Auseinandersetzung mit den Interviews in der Gruppe berichten und exemplarisch einige Biografien vorstellen.

Dr. Udo Grashoff ist wiss. Mitarbeiter am Historischen Seminar der Universität Leipzig. Er hat über „Selbsttötungen in der DDR” promoviert und auch zu anderen Aspekten der DDR-Geschichte (17. Juni 1953, Biermann-Ausbürgerung, friedliche Revolution) geforscht und publiziert.

„Schwarzwohnen” hieß in der DDR, das staatliche Zuweisungsmonopol für Wohnraum zu unterlaufen und sich auf eigene Faust eine zumeist baufällige Bude zu organisieren. Der Vortrag beschreibt das Phänomen sowohl aus der Sicht der Behörden wie auch aus der Sicht der Schwarzwohner bzw. Wohnungsbesetzer, und schildert anhand von Fotos und beispielhaften Geschichten die bunte Vielfalt des Lebens im Abriss.

Katharina Lenski, seit 1991 Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk” Jena (ThürAZ), Historikerin/Soziologin/Erziehungswissenschaftlerin.

Der Vortrag handelt von der Universität zwischen Schaubühne und Geheimhaltung: Die Friedrich-Schiller-Universität Jena von 1968 bis 1989. Die Staatssicherheit baute ein rigides System zur Verhinderung eigensinniger Diskurse auf. Im Vortrag wird es um den Aufriss und die Analyse dieses Problemfeldes gehen. Die Exmatrikulation eines Studenten und die Entlassung eines Stasi-Offiziers demonstrieren beispielhaft die inneren Funktionsmechanismen des Apparats, dessen Disparitäten und den Konsens mit anderen Verantwortungsträgern - ein Feld, was bislang nicht in der Diskussion war ...

Reiner Merker, seit 1998 Mitarbeit im Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk” in Jena.

Zum Referat: Im Juni 1988 „erschien” in der DDR die Studie: „Pechblende. Der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen” als Samisdat-Publikation. Mit der Studie sollte, unabhängig der Einstufung aller Umweltdaten als Staats- bzw. Dienstgeheimnis, die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten über die erheblichen Gefahren des Uranbergbaus informiert werden. Die Veröffentlichung führte zu unmittelbaren Reaktionen. So wurden einerseits durch den Staatsapparat und das MfS massive Versuche unternommen, den Autor der Studie zu „disziplinieren” und damit auch die ökologischen und gesundheitlichen Folgen des Uranbergbaus zu negieren. Gleichzeitig ließ sich die Diskussion in der Bevölkerung aber nicht mehr aufhalten. In der Folge kam es zu Verweigerungen bei der Lehrlingsanwerbung für die SDAG Wismut, zur Einforderung von Informationen anhand von konkreten „Schadensfällen” und zur Bildung von Umweltgruppen.

Eckart Schörle, Historiker, studierte Geschichte, Politik und Philosophie in Gießen und Göttingen. An der Universität Erfurt promovierte er über die Geschichte des Lachens (Die Verhöflichung des Lachens. Lachgeschichte im 18. Jahrhundert, Bielefeld 2007). Schörle ist Mitherausgeber der Zeitschrift „WerkstattGeschichte” und Lektor in Erfurt.

Der Vortrag wendet sich einem Aspekt des DDR-Alltags zu und fragt nach Bedeutungen und Funktionen der offiziellen, halböffentlichen und oppositionellen Lachkultur. Neben dem politischen Witz wird auch das Verhältnis der Ideologen zum Gelächter in den Blick genommen. Im Umgang mit dem Lachen und der alltäglichen Witzpraxis eröffnet eine etwas andere Perspektive auf 40 Jahre DDR.

Anne Stiebritz, M.A. Erziehungswissenschaft, Neuere Geschichte und Volkskunde/Kulturgeschichte.

„Mythos Offene Arbeit” verweist auf ein mit Bedeutungen und Vorstellungen aufgeladenes Phänomen sowie dessen Reduktion auf zumeist wenige Dimensionen. Der vornehmlich historischen und politikwissenschaftlichen Auseinandersetzung, welche besonders die gesellschaftskritische Seite der Offenen Arbeit untersucht, soll eine pädagogische Diskussion an die Seite gestellt werden. Ausgehend von dem Mythos wird danach gesucht, wie sich die Offene Arbeit als eine Form von Jugendarbeit konstituierte. Ziel der Auseinandersetzung ist es, anhand von Zeitzeugeninterviews und Quellenarbeit verschiedene Perspektiven darzustellen, aus denen sich die Offene Arbeit denken lässt.