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22. Juni 2017

Podium: Neonazismus als "Widerstand"? Die Rezeption von Rechtsextremismus in der DDR in Staat, Kirche und Gesellschaft

Der Überfall von Neonazis auf die Besucher eines Punk-Konzerts mit den Bands "Element of Crime" und "Die Firma" in der Berliner Zionskirche am 17.10.1987 markiert eine Zäsur in der öffentlichen Wahrnehmung von Rechtsextremismus in der DDR. Foto: Erik Weiss

Neofaschismus gab es in der DDR offiziell nicht. Die Vorstellung von Faschismus als einem Phänomen, das mit kapitalistischen Staatsformen einherging, im Sozialismus aber vollständig überwunden sei, verhinderte eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Dieses Tabu blieb bestehen, obgleich die Staatsführung über zunehmende rechtsradikale Einstellungen unter Jugendlichen seit Mitte der achtziger Jahre und rechtsextreme Vorfälle informiert war.

Inwieweit setzten sich Staat, Kirche und oppositionelle Milieus in der DDR bereits vor dem Umbruch von 1989/90 mit dem Thema auseinander? Wurde die Auseinandersetzung mit Rechtsradikalismus relevant, weil Übergriffe der extremen Rechten und Fremdenfeindlichkeit als zunehmend virulent wahrgenommen wurden? Kann die Debatte über Neofaschismus in im Selbstverlag hergestellten Zeitschriften oppositioneller Gruppen als Versuch zur Herstellung einer „Zweiten Öffentlichkeit“ interpretiert werden? Beleuchtet werden soll auch, wie die Akteure aus oppositionellen Milieus an Informationen über rechtsextreme Vorfälle gelangten, wie sie diese rezipierten und wie sie mit rechtsextrem Eingestellten umgingen. Gab es Ansätze innerhalb unangepasster Milieus, auch Rechtsradikalismus als Renitenz gegenüber dem „antifaschistischen Staat“ zu bewerten? Sprach das seelsorgerische und integrative Angebot der Offenen Jugendarbeit, das sich explizit an gesellschaftliche Außenseiter wandte, auch junge Rechtsradikale an?

Diese und weitere Fragen greift das Podium am 22. Juni im Café Wagner auf. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe des Thüringer Archivs für Zeitgeschichte "Matthias Domaschk" zum Thema "Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus in der DDR und in den neuen Bundesländern". Fördermittel stellt die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur bereit, Medienpartner ist der Offene Kanal Jena (OKJ).

Podium Neonazismus als "Widerstand"? Die Rezeption von Rechtsextremismus in der DDR in Staat, Kirche und Gesellschaft

Donnerstag, 22.06.2017, 20.00 Uhr, Café Wagner (Wagnergasse 26, 07743 Jena)
Gäste: Uwe Kulisch (Sozialdiakon), Kai Pankonin (ehem. Mitglied der Punkband Die Firma), Dr. Harry Waibel (Historiker)
Moderation: Dr. Axel Salheiser (KomRex Zentrum für Rechtsextremismusforschung, Demokratiebildung und gesellschaftliche Integration der Friedrich-Schiller-Universität Jena)

Entsprechend §6 Abs. 1 VersG sind Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, von den Veranstaltungen des Thüringer Archivs für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“ ausgeschlossen.