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16. Dezember 2016

Bericht zur Buchvorstellung "Sorben im Blick der Staatssicherheit"

Im Gespräch mit Lutz Rathenow stellte Dr. Timo Meškank seine aktuelle Publikation vor (Foto: ThürAZ)

Am Freitag, den 2. Dezember 2016 las Dr. Timo Meškank im ThürAZ aus seiner in diesem Jahr erschienenen Publikation „ Sorben im Blick der Staatssicherheit. Die Akten der K5 und des MfS der DDR 1949-1989“. Unterstützt und moderiert wurde die Lesung vom Sächsischen Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Lutz Rathenow.

Einen Bezug zur Arbeit des ThürAZ stellte Meškank her, indem er aus dem Kapitel „Die Bearbeitung der sogenannten feindlich-negativen Kräfte“ las, in dem nach Formen devianten Verhaltens innerhalb der sorbischen Minderheit in der DDR gefragt wird. Im Gespräch mit Lutz Rathenow wies Meškank auf Spezifika hin, die in der Überwachung abweichenden Verhaltens unter den Sorben durch das Ministerium für Staatssicherheit zum Tragen kamen. So betonte er, dass hauptamtliche und inoffizielle Mitarbeiter des MfS, die über sorbische Bürger informierten, gleichzeitig auch eine Rolle als Interpreten der sorbischen Welt innehatten. Darüber hinaus habe ein Ausweichen Andersdenkender in den kirchlichen Raum im Gegensatz zu anderen oppositionellen Akteuren in der DDR-Gesellschaft nicht stattgefunden.
Als weitere Besonderheit nannte Meškank einen durch Kenntnis der sorbischen Sprache privilegierten Zugang zu Informationen, die in tschechoslowakischen Medien u. a. über den „Prager Frühling“ verbreitet wurden.
Zum Nachteil wurde die sorbische Sprache für unangepasste Schriftsteller, die wie ihre deutschen Kollegen in der DDR mit dem üblichen „Druckgenehmigungsverfahren“ und weiteren Maßnahmen der Zensur konfrontiert waren, für die eine ausweichende Publikation ihrer Werke in Verlagen in der Bundesrepublik allerdings nicht möglich war. Eine ausgeprägte Samisdat-Szene, die für unangepasste Akteure und Gruppen in der DDR die Bedeutung einer alternativen Öffentlichkeit einnahm, habe es unter den Sorben dennoch nicht gegeben: Das vom Autoren selbst zu Studienzeiten mit herausgegebene Periodikum Serbski student stellte Meškank als Ausnahme dar.

Zusammenfassend vertrat Timo Meškank die These, dass das durchaus heterogene sorbische Leben in der DDR durch die Staatssicherheit nicht im Kern erfasst werden konnte. Zu sehr habe sich die Anwerbung inoffizieller Mitarbeiter unter den Sorben auf jene konzentriert, die sich ohnehin schon durch eine Mitgliedschaft in der SED zur Regimetreue bekannt hatten. Ihnen sei ein Durchdringen aller Bereiche des sorbischen Lebens nicht möglich gewesen.