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11. Mai 2016

Beginn der Veranstaltungsreihe "'Vorwärts - und nicht vergessen': Solidarität in der DDR"

Deutsche Post der DDR, Zuschlagmarke, 1977

Am Mittwoch, den 11. Mai 2016 beginnt die diesjährige Veranstaltungsreihe des ThürAZ, die sich mit dem Thema "Solidarität in der DDR" beschäftigt. Den Auftakt zur Reihe bilden zwei Veranstaltungen, die nach Solidaritätserfahrungen homosexueller Männer und Frauen in der DDR der 1980er Jahre fragen.

Laut Gesetz der DDR stellte Homosexualität seit 1968 keine Straftat mehr dar, wodurch rein strafrechtlich homo- mit heterosexuellen Partnerschaften gleichgestellt waren. Was die politische und gesellschaftliche, aber auch die kirchliche Realität betrifft, berichten Zeitzeugen jedoch von Diskriminierungserfahrungen weit über diesen Zeitpunkt hinaus. Für den Arbeitskreis Homosexuelle Liebe (AKHL) in Jena ist z. B. dokumentiert, dass den Mitgliedern während ihrer Teilnahme am Landesjugendsonntag der Evangelischen Kirche in Eisenach 1985 der Aufbau eines eigenen Informationsstandes untersagt wurde. Die Argumentation des Landesbischofs lautete, es würden sexuelle Übergriffe auf Konfirmanden befürchtet. Nachdem Teilnehmer der Veranstaltung von dem Verbot erfuhren, solidarisierten sie sich mit den Akteuren des Kreises.

 

Vor dem Hintergrund der Erfahrungen von Zeitzeugen aus kirchlich und aus staatlich angebundenen homosexuellen Kreisen fragt das ThürAZ, ob es weitere Manifestationen dieser Art gab, an denen sich eine basiskirchliche oder gesellschaftliche Solidarisierung ablesen lässt. Aus der Perspektive der Akteure soll geklärt werden, inwieweit sie in ihrem gesellschaftlichen und kirchlichen Umfeld auf Verständnis, Toleranz und Solidarität stießen.

Lässt sich anhand der Reaktionen des Umfelds ein Mentalitätswandel ausmachen, der mit der zunehmenden medialen Thematisierung von Homosexualität ab Mitte der achtziger Jahre zusammenhing? Ging die staatliche Strategie auf, durch die gezielte Enttabuisierung des Themas und die Aufklärung der Bevölkerung homosexuelle Gruppen stärker in die sozialistische Gemeinschaft einzubinden? Fühlten sich auch alternative Gruppen einbezogen, die sich – häufig mit Rückgriff auf den Freiraum Kirche – selbst organisiert hatten? Insbesondere interessiert aus Sicht des ThürAZ die Frage, welche Formen der kirchlichen und gesellschaftlichen Solidarität sich im Laufe der achtziger Jahre gegenüber alternativen schwulen und lesbischen Gruppen herausbildeten, die nicht dem Bild von konformen, den DDR-Sozialismus befürwortenden Homosexuellen entsprachen. Thematisiert werden diese Aspekte im Rahmen eines Zeitzeugenpodiums.

 

Mit "Coming out" brachte die Deutsche Film AG (DEFA) im November 1989 erstmals einen Film heraus, der das Thema "Schwul sein" fokussierte. Er stellte ein Plädoyer für Verständnis und Toleranz gegenüber Andersdenkenden dar. Regisseur Heiner Carow hatte sieben Jahre lang versucht, das Projekt durchzusetzen, bis es schließlich auf Anweisung des Kulturverantwortlichen im Politbüro, Kurt Hager, realisiert wurde. Welche Auswirkungen hatte der Film, der sensibel die Problematik der Selbstfindung und des Coming out thematisierte, auf schwule und lesbische Milieus in den letzten Monaten der DDR? Inwieweit beeinflusste er die Wahrnehmung des Phänomens "Homosexualität" durch die heterosexuelle Bevölkerung?

Die Dramaturgin Erika Richter, die mit Heiner Carow an der Entstehung des Films arbeitete, wird im Rahmen der Filmvorführung zu Gast in Jena sein, sodass diese und ähnliche Fragen im Nachgang besprochen werden können.

 

Filmvorführung und Gespräch: „Coming out“ - Homosexualität im DDR-Film der achtziger Jahre

Gast: Erika Richter (Dramaturgin des Films „Coming out“, 1989)
Ort: Kino im Schillerhof, Helmboldstraße 1, 07749 Jena
Termin: Mittwoch, 11. Mai 2016, 19.00 Uhr

Zeitzeugen-Podium: Solidaritätserfahrungen Homosexueller in der DDR der achtziger Jahre

Podiumsgäste: Bärbel Klässner (Redaktionsgruppe frau anders, Jena), Mirko König (Arbeitskreis Homosexuelle Liebe, Jena), Gotthard Lemke (ehem. Studentenpfarrer, Jena)
Moderation: Maria Bühner (Leipzig)
Ort: Haus auf der Mauer, Johannisplatz 25, 07743 Jena
Termin: Donnerstag, 26. Mai 2016, 19.00-20.30 Uhr

Informationen zu allen weiteren Terminen folgen.