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Thüringer Archivpreis 2011

Das ThürAZ wurde während des 60. Thüringer Archivtages am 1. Juni 2011 mit dem erstmals von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und dem Thüringer Archivarverband gestifteten Thüringer Archivpreis ausgezeichnet. Gewürdigt werden damit neben den herausragenden archivfachlichen ebenso die besonderen archivpädagogischen Leistungen des ThürAZ.

Vorgeschlagen wurde das ThürAZ von der Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur des Landes Brandenburg, Ulrike Poppe. Das ThürAZ sieht in dieser Ehrung die Würdigung seiner seit zwanzig Jahren andauernden, vielfach ehrenamtlichen Bemühungen, diejenigen Überlieferungen systematisch zu sammeln und verfügbar zu machen, die von jenen stammen, die im Alltag der SED-Diktatur Zivilcourage lebten oder Opposition und Widerstand gegen die Diktatur leisteten.

In der Mitteilung der Jury heißt es: „Der erstmals verliehene ‘Thüringer Archivpreis’, den die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen in Verbindung mit dem Thüringer Archivarverband 2011 ausgelobt hat, geht an das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte ‘Matthias Domaschk’ (ThürAZ) in Jena.

Das 1991 aus der DDR-Bürgerbewegung heraus gegründete Thüringer Archiv für Zeitgeschichte gilt als das einzige unabhängige Oppositionsarchiv im Freistaat Thüringen. Als Spezialarchiv verwahrt es knapp 100 private Vor- und Nachlässe sowie Sammlungen von Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtlern. Diese Dokumente geben umfassend Auskunft über deren Oppositionstätigkeit gegen die SED-Diktatur seit den 1970er Jahren bis zur Wende 1989/90, insbesondere in den ehemaligen Bezirken Gera, Erfurt und Suhl. Im Laufe der vergangenen 20 Jahre hat das ThürAZ einen Prozess der Professionalisierung durchlaufen und hat sich zu einem Archiv entwickelt, das seine Bestände archivgerecht untergebracht hat, archivfachlich betreut und wissenschaftlich erschließt. Ergänzt wird die Überlieferung durch eine große Zahl an wertvollen Zeitzeugeninterviews und ca. 11.000 Fotos. Die Bestände sind sowohl in gedruckten Bestandsübersichten wie auch im Internet nachgewiesen und werden von der Öffentlichkeit viel genutzt. Die Fachjury hob in ihrer Begründung insbesondere das breite archivpädagogische Angebot an Jugendliche hervor. Auch die bildungspolitische Arbeit gilt als vorbildlich. So besteht eine enge Kooperation mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Zahlreiche eigene Projekte wie die Wanderausstellung 'Losgehen und Ankommen – Jugendkultur in der DDR am Ende der 70er Jahre' (1999), die Publikation 'Zwischen Utopie und Resignation – vom Bleiben und Gehen' (2003) sowie die viel beachtete Tagung 'Archiv, Forschung, Bildung' zum 15jährigen Bestehen das Hauses 2006 belegen die Vermittlungsarbeit des ThürAZ. [...]

Mit ihrer Preisvergabe würdigt die Jury das ThürAZ im zwanzigsten Jahr des Bestehens und anerkennt seine Bemühungen zur Sicherung des Schriftgutes der demokratischen Bürger-, Umwelt- und Friedensbewegung. Diese Entscheidung trägt nicht zuletzt der Tatsache Rechnung, dass zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte die Aktenüberlieferung des Staates bei weitem nicht ausreicht, sondern es der Gegenüberlieferung bedarf, um die Stimmen der von der Diktatur Unterdrückten zu dokumentieren. Die vom Thüringer Archiv für Zeitgeschichte in Jena gesammelten und archivierten Dokumente nichtstaatlicher Provenienz schließen somit eine 'Überlieferungslücke', die die klassischen Behördenarchive aus vielerlei Gründen nicht ausfüllen. Diese Ergänzungsfunktion erfüllt das ThürAZ für das Land Thüringen in vorbildlicher Weise.“

Laudatio von Ulrike Poppe während der Preisverleihung am 4. November 2011
Dr. Jens Riederer (Thür. Archivarverband), Katharina Lenski (ThürAZ), Reiner Merker (ThürAZ), Dr. Thomas Wurzel (Spark.-Kulturstiftung Hessen-Thüringen), Staatssekretär Prof. Dr. Thomas Deufel (TMBWK) während der Preisverleihung (v.l.n.r.), Fotos M. Sengewald