Bestandsprofil
Ziel des Bestandsaufbaus des ThürAZ ist es, für den geographischen Raum Thüringen einen konzentrierten Zugang zu Dokumenten der Opposition und des Widerstandes in der DDR zu ermöglichen. Innerhalb des staatlichen Archivwesens finden sich nur vereinzelte Überlieferungen zu diesem Themenkomplex, zudem sind diese dadurch gekennzeichnet, dass es sich hierbei meist um Dokumente der Repression handelt. Prominentestes Beispiel einer solchen sind die Akten des ehemaligen MfS in der heutigen Birthler-Behörde. Der Bestand des ThürAZ stellt somit einen Teil der Gegenüberlieferung zur staatlichen Überlieferung dar.
Der Schwerpunkt der Sammeltätigkeit für den Zeitraum 1949 - 1989 liegt dementsprechend auf der Einwerbung von privaten Sammlungen (Privatarchive), da hier oftmals unter schwierigsten Umständen Materialien der Opposition und des Widerstandes aufbewahrt wurden. Formal handelt es sich dabei um Plakate, Erklärungen, Eingaben, Gedächtnisprotokolle, Fotografien und Filme, Tonbänder und Kassetten, Zeitungsausschnittsammlungen, graue Literatur sowie politischen und künstlerischen Samisdat.
Samisdat (dt. Eigenverlag) meint dabei Dokumente künstlerischen oder politischen Inhalts, welche per Schreibmaschine, Ormik-, Wachs-, Siebdruck- oder Computerdruckverfahren hergestellt und an der staatlichen Kontrolle vorbei verbreitet wurden und steht dadurch in klarer Abgrenzung zu sogenannter Grauer Literatur. Zu Samisdat zählen Zeitschriften der Opposition, Aufrufe und Appelle, Reader, Offene Briefe u.a.
Die größte Materialdichte ist für die 70er und 80er Jahre des 20.Jh. zu verzeichen. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Sammlungen liegen hier in den Themenbereichen Frieden (Aufrüstung, Blockkonfrontation), Umweltschutz, Wehrdienst (Bausoldaten, Sozialer Friedensdienst), der Einforderung von demokratischen Grundrechten (Reisefreiheit, Wahlen) sowie der Wende 1989. Weitere Schwerpunkte sind die seit Anfang der 70er Jahre bestehende Offene Arbeit und die alternative Jugend- und Kulturszene.
Neben der Dokumentation des Engagements Einzelner bzw. von Gruppen, wie der Jenaer Friedensgemeinschaft, des Weimarer Montagskreises etc. wird aber auch aus diesem Teil der Überlieferung die allgegenwärtige Repression, sei es direkt durch das MfS, über Vorgesetzte der Arbeitsstelle oder Mitglieder der Amtskirche, deutlich.
Der geographische Bezugsort der Bestände liegt größtenteils im Bereich des heutigen Freistaates Thüringen, d.h. den ehemaligen Bezirken Gera, Erfurt und Suhl. Schwerpunkte der bisher eingeworbenen Bestände bilden die Städte Jena, Saalfeld, Weimar und Gera. Gegenwärtig beträgt die Bestandsgröße ca. 420 lfm.

