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Vor- u. Nachlässe

Picciani, Peter [Kähler]

Privatarchiv Picciani, Peter [Kähler]
Bezugsorte Jena
Umfang 0,9 lfm.
Zeitraum 1981 - 88
Stichworte
ErschließungDatenbank
Signatur P-PP

Die Sammlung des 1957 in Hagenow geborenen Peter Kähler (geb. Ihrke, ab 1990 verh. Picciani) beinhaltet persönliche Überlieferungen aus der subkulturellen Jenaer Künstler- und Oppositionsszene ab 1981 bis zu Kählers Ausweisung aus der DDR in die Bundesrepublik im Mai 1983 und deren Auswirkungen.

Kähler beginnt 1976/77, unter dem Eindruck gewaltsamer Erlebnisse während seines Wehrdienstes als Matrose der Grenzbrigade Küste, mit dem Schreiben politischer Lieder. Da seine Tätigkeit im VEB Carl-Zeiss-Jena auch die Mitarbeit an militärischen Geheimobjekten einschließt, kündigt er 1981, besetzt eine Wohnung in der Goetheallee in Jena, knüpft Kontakte zur künstlerischen Alternativszene und bestreitet als Liedermacher erste Auftritte zu öffentlichen Veranstaltungen sowie in Privatwohnungen. Bei öffentlichen Konzerten, wie 1981 zum Jugendkonzert auf der Kunitzburg bei Jena und am 16. Oktober 1982 im "Liederzirkus" des Königswalder Friedensseminars, begleitet ihn zum Teil Klaus Langmann. Ein Konzert in der besetzten Wohnung in der Goetheallee Jena wird 1982 - als bereits mit einer Verhaftung Kählers gerechnet wird - professionell für die illegale Verbreitung der Lieder aufgezeichnet, vermutlich von Lutz Rathenow nach Berlin gebracht und an den Sender RIAS übergeben, der die Lieder nach der Verhaftung Kählers 1983 sendet. Ton-Mitschnitte vom Konzert des Friedensseminars Königswalde und dem Konzert in Kählers Wohnung sind überliefert. Das Studioband des RIAS Berlin enthält unter anderem politische Lieder, wie "Das jüngste Gericht", "Moral des Krieges", "Im Namen des Volkes" und "Winterlied - oder - Das Frühlingslied eines aus der Haft entlassenen". Fotografien aus dem Jahr 1982 zeigen den Liedermacher in seiner Wohnung in der Goetheallee Jena, eine bei der Hausdurchsuchung beschlagnahmte Grafik von Kähler mit einem gekreuzigtem Karl Marx sowie Impressionen aus dem Umfeld des Konzertes zum Friedensseminar Königswalde und dem Jugendkonzert auf der Kunitzburg bei Jena. Eine weitere Fotoreihe bildet das Kreativfest Jenaer Künstler auf dem Gelände der Friedenskirche in Jena 1982 - mit Frank Rub, Lutz Leibner und anderen - ab.

1982 werden zudem Kählers Kontakte zur Jungen Gemeinde Stadtmitte Jena enger, die Freundeskreise wachsen zusammen und im Herbst 1982 wird zu Treffen an diversen Küchentischen die Bildung und Zielstellung einer Jenaer Friedensgemeinschaft diskutiert. Im Januar 1983 wird Kähler nach einem öffentlichen Auftritt im Jenaer Volkshaus unter dem Tatvorwurf der staatsfeindliche Hetze verhaftet und in die Untersuchungshaftanstalt Gera gebracht. Die Korrespondenz aus der Haftzeit belegt die gescheiterte Bemühung Kählers um eine Verteidigung durch Wolfgang Schnur. Unter dem Druck der Androhung von 10 Jahren Haft stellt Kähler in der Untersuchungshaft einen Ausreiseantrag und wird am 23. März 1983 überraschend aus der Haft entlassen. Nach der Teilnahme an der Demonstration der Friedensgemeinschaft Jena anlässlich des Pfingsttreffens der FDJ am 19. Mai 1983 erfolgt innerhalb von 24 Stunden die Ausweisung Kählers und anderer Mitglieder der Jenaer Friedensgemeinschaft in die Bundesrepublik. Die Sammlung enthält Fotos von einem Treffen der Jenaer Peter Kähler, Gerd Rost und Roland Jahn mit den Berlinern Lutz Rathenow und Sascha Anderson vom März 1983 zur Diskussion der Perspektive der Oppositionsbewegung in der DDR, Aufnahmen vom Übergangsheim für Dissidenten im Grunewald und von Konzertproben Kählers (Gitarre) mit Stephan Zigan (Cello) nach der Ausweisung aus der DDR. Weitere Bilder zeigen Peter Kähler mit Dorothea und Gerd Rost bei einem Besuch des Südwestfunk (SWF) in Baden-Baden aus Anlass eines Interviews zur Friedensgemeinschaft Jena.

Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR legt 1984 den Operativen Vorgang "Weinberg" an. Die Kopien aus Kählers persönlicher BStU-Akteneinsicht geben Auskunft über seine Rückverbindungen in die DDR, Einreisesperre sowie Lageberichte der "Aktion Gegenschlag" des MfS zur Zerschlagung der Jenaer Friedensgemeinschaft.



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