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Vor- u. Nachlässe

Ilse, Andreas

Privatarchiv Ilse, Andreas
Bezugsorte Halle, Jena, Leipzig, Prora
Umfang 1,5 lfm., Fotosammlung
Zeitraum 1976 - 90
Stichworte
ErschließungDatenbank
Signatur P-IA

Die Sammlung von Andreas Ilse (Jg. 1961) zeugt von hohem Engagement für Frieden und Gerechtigkeit, insbesondere in Fragen der Friedenserziehung und der Wehr- und Waffendienstverweigerung.

Ilse beginnt seine Beteiligung an Friedens- und Solidaritätsprojekten bereits 15-jährig im kirchlichen Hilfswerk Aktion Sühnezeichen (AS). Die Sammlung enthält sowohl Ilses Arbeitsmaterialien zum Durchführen von AS-Lagern aus den Jahren 1977 bis 1980 als auch die Periodika "Monatsbriefe" und "Lagerdienste" von AS der Jahre 1977 bis 1989.

Zu den Themenkreisen Gerechtigkeit, Solidarität, Frieden, Abrüstung, Umwelt und Konziliarer Prozess/Ökumenische Versammlung sammelt Ilse zur gleichen Zeit (1976 bis 1988) Samisdat und kirchliche Druckschriften vom Bund der Evangelischen (Ev.) Kirchen in der DDR, vom Kirchlichen Forschungsheim Wittenberg, dem Ökumenischen Basisseminar Königswartha, der Christlichen Friedenskonferenz, der Ev. Studentengemeinde in der DDR, dem Ökumenischen Jugenddienst Berlin oder der Ev. Bekenntnisgemeinde Berlin-Treptow. Besonders erwähnenswert ist hier der Samisdat Jenaer Theologiestudenten "Depressionen einer Landschaft" zu einer Studienreise in Braunkohlegebiete des Bezirkes Cottbus aus dem Jahr 1988. Neben diesen Druckschriften befinden sich hier aber auch Informationsmaterialien zum Olof-Palme-Friedensmarsch 1987 oder Materialien der Friedensseminare Frieden Konkret von 1986 bis 1988. Auch sind Auszüge aus Referaten von Georg Meusel, Carl Friedrich von Weizsäcker, Erich Fromm und Vaclav Havel und eine Sammlung von Zeitschriften und Dokumentationen der katholischen Friedensbewegung Pax Christi in der Bundesrepublik überliefert.

Im Jahr 1979 wird Ilse für den Wehrdienst bei der Nationalen Volksarmee gemustert und erklärt die Verweigerung des Waffendienstes. Amtliche Aufforderungen des Wehrkreiskommandos Halle zur Tauglichkeitsprüfung bis hin zur Einberufung als Bausoldat 1983 sind im Bestand enthalten. Mit Beginn seines Wehrdienstes in den Baueinheiten in Prora/Rügen setzt sich Ilse für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Bausoldaten und gegen deren Einbeziehung in militärische Projekte ein. Dokumentiert ist dies vor allem in der Belegsammlung von Situationsberichten diverser Bausoldaten, Beschwerdebriefen und Gesprächsprotokollen, die im Umfeld des Besuches des Armeegenerals Hoffman in Mukran 1984 entstehen. Ebenfalls aus Ilses Bausoldatenzeit stammen Aufzeichnungen zur Beobachtung der Wahlfälschung zur Kommunalwahl 1984 in Prora/Rügen.

Im Anschluss an den Wehrdienst engagiert sich Ilse für die Vernetzung der Arbeitskreise zur Beratung von Wehrdienstleistenden und -verweigerern. Arbeits- und Informationsmaterialien bezeugen Ilses Teilnahme an überregionalen Treffen ehemaliger Bausoldaten (1985), an den Koordinierungstreffen der Arbeitskreise Wehrdienstfragen in Leipzig (1986 bis 1990) und an der Arbeitsgruppe Wehrdienstfragen der Ökumenischen Vollversammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in Magdeburg (1988). Zentral ist jedoch in den Jahren 1986 bis 1990 die Mitarbeit im Arbeitskreis Wehrdienstfragen beim Stadtjugendpfarramt Jena (1986 bis 90) überliefert. Die Schwerpunkte liegen hier auf der Erarbeitung der Arbeitshilfen zur seelsorgerischen Betreuung von Bausoldaten "Du sollst nicht töten, aber wie dann leben" (Hg. Ev. Jungmännerwerk Thüringen, 1986), die Erarbeitung der "Arbeitshilfe" (1988/89), die Mitarbeit am Gesetzentwurf zum Zivilen Friedensdienst in der DDR (1989) und die Vorbereitung der Gründung der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen in der DDR (Jena, 1990). Ergänzt wird die Sammlung durch einzelne Belege der Diskussionen um die Einführung eines sozialen Friedensdienstes, zur Abschaffung der Wehrpflicht und zur Wehrdiensttotalverweigerung sowie eine Zeitungsartikelsammlung der Jahre 1963 bis 1989 zu militär-, rüstungs- und entwicklungspolitischen Themen.

Daneben knüpft Ilse - der von 1986 bis 1990 in Jena studiert - Kontakte zur Offenen Arbeit der Jungen Gemeinde Stadtmitte und ist Mitbegründer der Solidaritätsgruppe Künstler für Andere in Jena. Ilses Arbeitshefter enthält Projektinformationen, Korrespondenzen und Sitzungsprotokolle der Gruppe sowie "INKOTA - Briefe" und Rundbriefe der Ökumenischen Initiative Verantwortlich Leben. Hier sind sowohl die Organisation von Auftritten kritischer Autoren, Musiker und Schauspielgruppen im Rahmen der Ev.-Lutherischen Kirchengemeinde Jena als auch hierdurch unterstützte Projekte, vor allem des INKOTA-Netzwerkes, dokumentiert.

1988 ist Ilse an der Vorbereitung des Kirchentags von Unten in Halle beteiligt. Das Programm des Kirchentages von Unten in Halle (1988), aber auch Samisdat (1987 bis 1988) und die "Arbeitsregel" der Kirche von Unten Berlin sind enthalten.

Während der Kommunalwahlen 1989/90 ist Ilse erneut als Wahlbeobachter aktiv. Die Sammlung enthält Notizen und Korrespondenzen Ilses, aber auch Positionspapiere weiterer Bürger und Gruppen wie etwa der Ökologischen Arbeitsgruppe Halle, der Arbeitsgruppe Wahl der Ev. Studentengemeinde Jena oder des Arbeitskreises Solidarische Kirche Thüringen. Ebenso beteiligt sich Ilse im Herbst 1989 im Vorbereitungsreis des Neuen Forums (NF) Jena. In der Sammlung befinden sich neben Gründungspapier, Programm, Kontaktadressen und Aufrufen des NF Jena auch Materialien des NF Halle, Gera und Berlin.

Daneben umfasst die Sammlung BStU-Kopien aus Ilses Akteneinsicht, welche die Operative Personenkontrolle Ilses durch das Ministerium für Staatssicherheit im Jahr 1986, wegen des Verdachtes des "subversiven Missbrauches des Reiseverkehrs in das sozialistische Ausland", belegen.



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