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Vor- u. Nachlässe

Horschig, Michael

Privatarchiv Horschig, Michael
Bezugsorte Berlin-Ost
Umfang 0,4 lfm.
Zeitraum 1977 - 99
Stichworte
ErschließungDatenbank
Signatur P-HoM

Michael Horschig (Jg. 1961) ist Sänger und Texter der Berliner Punkband Namenlos und politischer Anarcho-Punker in den 1980er Jahren in der DDR. So bilden den Kern der Sammlung Materialien der Anfang 1983 gegründeten Punkband. In einer handschriftlichen Chronik beschreibt Horschig das Selbstverständnis der Band wie folgt: „Mit unseren Texten griffen wir die gesamte Breite der Gesellschaft, des Staates und der Institutionen an.“. Die handschriftliche Liedtextsammlung umfasst neben „Nazis wieder in Ostberlin“ Titel wie „DDR-Staatsgrenze“, „Gleichschritt“, „MfS“, „SED“ und „Amok“ aber auch Titel die sich mit dem Alltag in der DDR befassen. Im Sommer 1983 werden die Bandmitglieder wegen der Auftritte bei kirchlichen Jugendveranstaltungen in Halle, in Karl-Marx-Stadt und bei einer Blues-Messe der Erlöser-Gemeinde in Berlin-Rummelsburg wegen „gemeinschaftlicher öffentlicher Herabwürdigung“ verhaftet und Horschig zu einer 18-monatigen Haftstrafe verurteilt. Neben Anklageschrift, Urteil und Beschluss zur vorzeitigen Haftentlassung Horschigs ist auch ein handschriftlicher Tagesablauf im Frauengefängnis Hoheneck dokumentiert. Die Band Namenlos bestand nach Haftabbüßung noch bis 1987/88 in verschiedenen Besetzungen. Ein im Bestand als Korrekturabzug enthaltener Aufsatz von Torsten Preuß „Stasi, Spaß und E-Gitarren: Geschichte der Berliner Punkband Namenlos“ - 1999 in Galenza/Havemeister „Wir wollen immer artig sein…“ veröffentlicht - gibt zusätzliche Einblicke in die Bandgeschichte.

Daneben ist die Tätigkeit des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) gegen Horschig und die Band anhand von BStU-Auszügen aus der Strafakte Horschigs, aus dem Operativen Vorgang „Namenlos“ (1983 bis 1984) und aus der Operativen Personenkontrolle „Schwarz“ (1987 bis 1988) belegt. Weitere MfS-Dokumente sind die „Hinweise zur politisch-operativen Bearbeitung von Erscheinungsformen gesellschaftswidrigen Auftretens und Verhaltens negativ-dekadenter Jugendlicher, besonders sogenannter Punker, innerhalb der DDR.“ oder Operativinformationen zur Bluesmesse 1983.

Horschig beschäftigt sich seit Anfang der 1980er mit der Theorie, Geschichte und Kritik des Anarchismus und verteilt anarchistische Flugblätter wie „Die Un/freie Gesellschaft“. Die Sammlung enthält Abschriften und Nachdrucke von Auszügen libertärer und anarchistischer Texte von Erich Mühsam, G. B. Shaw, Pierre-Joseph Proudhon und Murray Bookchin, einen 1977 in Berlin entstandenen Ormigdruck der „Anarchosprüche“ von Karl Hans Frank (Hg.), Samisdat der Kirche von Unten (KvU) Berlin aber auch handschriftliche Ausarbeitungen Horschigs zu den Themen anarchistische Gesellschaft und Geschichte der Punkbewegung. Vom Herbst 1989 sind unter anderem Flugblätter der „Freien Aktion“ enthalten, die deren Selbstverständnis darlegen oder etwa zur Teilnahme an den Montagsdemonstrationen und den Mahnwachen für die Freilassung politisch Inhaftierter in der Gethsemanekirche aufrufen.



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