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Vor- u. Nachlässe

Harloff, Klaus

Privatarchiv Harloff, Klaus
Bezugsorte Berlin-Ost
Umfang 0,7 lfm., Fotosammlung
Zeitraum 1971 - 98
Stichworte
Erschließung
Signatur P-HK

Der Nachlass des 1961 geborenen Klaus Harloff beinhaltet im Kern Dokumente zur Friedlichen Revolution 1989/1990 in Berlin-Ost. So verarbeitet Harloff in einem Bericht das gewaltsame Vorgehen der Polizei gegen die Demonstranten am 40. Jahrestag der DDR und seine eigene Verhaftung auf der Schönhauser Allee. Aus Flugblättern, handschriftlichen Notizen und Protokollen geht Harloffs Mitarbeit im Neuen Forum Berlin-Weißensee, AG Recht und Staat hervor, sowie seine Beteiligung am Versuch der Sicherung der Akten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in der Hauptzentrale Magdalenenstraße im Dezember 1989. 1990 wird Harloff Geschäftsführer der Gesellschaft für die Erneuerung des Bürgerrechts. Hier sind Gründungspapier, Notizen und Mitteilungsblätter erhalten.

Auch zahlreiche Gründungspapiere, Flugblätter, Satzungen, Erklärungen, Wahlprogramme anderer Initiativen und Parteien der Berliner Region 1989/1990 wie der Berliner Initiative für unabhängige Gewerkschaften, der Initiative für Frieden und Menschenrechte, von Demokratie Jetzt, der Initiative Vereinigte Linke in der DDR, der CDU, der PDS, der SDP, von Bündnis 90, der Radikalen Linken und der NDPD sind im Bestand enthalten.

Daneben sind Flugblätter zu Aktionen und Kundgebungen überliefert, wie zur Fürbitte „China im Juni 1989“, zur Mahnwache vor der rumänischen Botschaft (Dezember 1989), zum Kontakttelefon Kriegsdienstverweigerung (1990) oder zum Hungerstreik wegen des Umgangs mit den MfS-Akten. Auch enthalten sind Zeitschriften und Informationsblätter der Alternativ- und Hausbesetzerszene Berlins der frühen 1990er Jahre, wie das Heft „Hausbesetzer. Selbstdarstellung von 16 Projekten aus Friedrichshain Mitte und Prenzlauer Berg“ (1990).  

Die im Bestand enthaltene Artikelsammlung aus der Berliner Zeitung umfasst Berichte zur Friedliche Revolution 1989/1990 sowie erste Aufklärungsberichte zum MfS, zur SED und zur Rolle der Kirche in der DDR.

Für die Jahre 1990 bis 1992 sind Informationsblätter kommunistischer Gruppen in der Bundesrepublik wie des Internationalen Schutzbundes gegen staatlichen Missbrauch, des Informationsdienstes für direkte Demokratie, der Trotzkistischen Liga Deutschlands und der Marxistischen Gruppe enthalten. In diesem Kontext stehen auch Abschriften zu Prozessunterlagen seines Vaters - des Rechtsanwaltes Pfannenschwarz aus Frankfurt/Main - zu politischen Berufsverboten in der Bundesrepublik, welche zum Teil auch in Veröffentlichungen des Initiativausschusses für die Aufhebung des KPD-Verbotes 1971 abgedruckt sind.

Materialien aus dem Nachlass von Harloffs Bruder, dem Berliner Liedermacher und Autor „Kalle“ Karl Ulrich Winkler, bilden einen Sonderbestand in der Sammlung Harloff. Als Winkler im Jahr 1976 zum 28. Jahrestag der DDR auf dem Berliner Alexanderplatz mit Texten von Wolf Biermann und Bettina Wegner auftritt, wird er verhaftet und zur Zusammenarbeit mit dem MfS gedrängt, die er ein Jahr später beendet. 1980 folgt eine weitere Verhaftung nach einem Auftritt bei einer der Berliner Bluesmessen und 1981 die Haftentlassung in die Bundesrepublik. So enthält die Sammlung aus dem Nachlass Winklers unter anderem eine handschriftliche Textsammlung mit Liedern von Biermann und Wegner, einen Brief von „Kalle“ an Harloff aus der Haft zum bevorstehenden Freikauf in die Bundesrepublik (März 1981), eine Vollmacht an Winkler vom November 1989 zum Ankauf von demontierten Mauerbrocken mit Gemälden des Auftraggebers (November 1989) oder Winklers Text „Aktenjagd in Ost-Berlin“ (Dezember 1989).

Auszüge aus der Akteneinsicht von Harloff belegen die Beobachtung seiner Kontakte zum in die Bundesrepublik ausgereisten Bruder durch das MfS im Operativen Vorgang „Sänger“. Der Nachlass enthält weiterhin persönliche Urkunden von Harloff und Winkler sowie Geschäftsunterlagen und Fotos der Initiative Solarhaus und der HSS Solar Haus Systeme GmbH (1990 bis 1998).



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