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Vor- u. Nachlässe

Fichtmüller, Hartmut

Privatarchiv Fichtmüller, Hartmut
Bezugsorte Jena, Weimar
Umfang 0,5 lfm., Fotosammlung
Zeitraum 1921 - 99
Stichworte
ErschließungDatenbank
Signatur P-FH

Hartmut Fichtmüller (Jg. 1966) beginnt 1985 in Jena ein Studium der Theologie und wird hier Ende 1986 Mitbegründer der Thüringer Regionalgruppe des DDR-weiten oppositionellen Netzwerkes Arbeitskreises Solidarische Kirche (AKSK). Belege aus Fichtmüllers kirchlicher Basisgruppenarbeit sind in der Sammlung mit Arbeitsmaterialien aus der Vorbereitung der Evangelischen Jugendgroßveranstaltung der Offenen Arbeit Saalfeld/Rudolstadt „Jugend 86“ 1986, mit Fotografien vom Olof-Palme-Friedensmarsch in Weimar 1987 oder Korrespondenz zur AKSK-Vollversammlung 1990 enthalten.  

Themen der Schriftensammlung Fichtmüllers sind vor allem Demokratiebestrebungen und Oppositionsbewegungen in Osteuropa. DDR-Samisdat wie "ODER" (Radix, Berlin 1987), „Ostmitteleuropa“ (Wonneberger, Leipzig 1988) und „Vaclav Havel“ (Kontext/Ostkreuz, Berlin 1989) richtet den Blick auf die osteuropäischen Nachbarn. Veröffentlichungen der internationalen Schriftstellervereinigung P.E.N. (1986 bis 1988) dokumentieren beispielsweise den Einsatz von P.E.N. für die Freilassung der DDR-Häftlinge Stephan Krawczyk und Freya Klier im Jahr 1988. Informationsblätter des in der Bundesrepublik herausgegebenen Sozialistischen Osteuropa-Komitees (SOK) (1978, 1985, 1986) berichten über Solidaritätsinitiativen für Rudolf Bahro, Robert Havemann oder Charta 77.

Weiterer Sammlungsbestandteil sind Eingaben und Korrespondenzen an Behörden und staatliche Organe wie die Deutsche Volkspolizei, die Stadt Jena oder das Zentralkomitee der SED (1986 bis 1990). Mit diesem Protestmittel wendet sich Fichtmüller beispielsweise gegen Mängel in der Jenaer Wohnraumsituation, Behinderungen im Reiseverkehr, Unregelmäßigkeiten im Postzeitungsvertrieb oder die Umweltverschmutzung durch Jenaer Betriebe.

Im Herbst 1989 gehört Fichtmüller zu den Erstunterzeichnern des Neuen Forums (NF) im Bezirk Gera, wird Mitglied der Sozialdemokratischen Partei (SDP), Ortsverband Jena, und ist im Dezember 1989 im Bürgerkomitee Jena zur Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR beteiligt. Aus der Arbeit im Bürgerkomitee sind Notizen der MfS-Untersuchungskommission, Protokolle von Gesprächen mit MfS-Mitarbeitern, Unterstützerbriefe und ein Zeitprotokoll vom 04. bis 05.12.1989 überliefert.

1990 gründet Fichtmüller gemeinsam mit überwiegend aus dem Kulturbereich oder der Offenen Jugendarbeit in Jena stammenden Mitstreitern den Jenaer Verein Kultur, Kunst und Kommunikation (KuKuK e.V.). Die Arbeitsmaterialien (1991-1999) enthalten konzeptionelle Ausarbeitungen, Korrespondenzen und Veranstaltungsinformationen.

Eine Text- und Zeitungsartikelsammlung zur Regionalgeschichte Thüringens und Stadtgeschichte Jenas (1921-1994), sowie Fotos, die den städtebaulichen Zerfall in den 1980er Jahren verdeutlichen, ergänzen den Bestand.



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