Aktuelles
30.06.2009
Jahresbericht des ThürAZ für 2008
Das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“ (ThürAZ) legt hiermit den Sachbericht für das Jahr 2008 vor. Er soll für den Berichtszeitraum einen Überblick zur Arbeit des ThürAZ geben. Auf eine detaillierte Darstellung einzelner Arbeitsschritte wurde bewußt verzichtet, Gegenstand sind vielmehr die Ergebnisse der Arbeit des ThürAZ.
Ausdrücklich möchten wir an dieser Stelle allen Förderern danken: dem Freistaat Thüringen, der Stadt Jena, der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Bundeszentrale für politische Bildung und den Stadtwerken Jena-Pößneck.
1. Allgemeines
Das ThürAZ verfügte dank der Förderung durch den Freistaat Thüringen im Jahr 2008 über eine Personalstelle samt Miet- und Betriebskostenzuschuß. Die Stadt Jena steuerte erstmalig die Hälfte der Miet- und Betriebskosten bei. Damit konnten die laufende Benutzerbetreuung und die Projektkoordination abgedeckt werden.
Mit dieser Stelle war und ist es nur in begrenztem Umfang möglich, die Tätigkeiten des archivischen Geschäftsgangs, die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Geschäftsführung, insbesondere die Projektentwicklung, -beantragung, -dokumentation und –abrechnung, umzusetzen. Ca. 60 % der im Archiv geleisteten Arbeiten wurden daher in ehrenamtlicher Tätigkeit ausgeführt.
1.1 Umzug des ThürAZ
Aufgrund des Planes der jenawohnen GmbH, die Räume Am Rähmen 3 abzureißen, wurde im Dezember 2008 der Umzug des ThürAZ notwendig.
Mit dem Umzug in die neuen Räume am Camsdorfer Ufer 17 Ende Dezember ist das Archiv nach wie vor relativ zentral gelegen, verfügt nun jedoch über Räumlichkeiten, in denen auch größere Veranstaltungen und die Präsentation von Ausstellungen möglich sind. Ein großer Dank gilt der Stadt Jena für die Übernahme der Speditionskosten und den Stadtwerken Jena sowie dem Büro des Oberbürgermeisters für die Abmilderung der Turbulenzen im Vorfeld des Umzugs! Insgesamt 15 Ehrenamtliche haben sich während des Umzugs engagiert, und auch danach haben Einzelne geholfen, die 900 Archivkisten auszupacken. Ihnen allen sei Dank!
2. Archivische Tätigkeiten
2.1 Bestandsaufbau Archiv
Im Berichtszeitraum 2008 konnten folgende neue Bestände eingeworben werden:
Thomas Grund (1978-89) 0,2 lfm
Baldur Haase (1956-2008) 2,4 lfm
Tobias Kaiser (1950-2005) 0,4 lfm
Oliver Kloss (1981-1994) 0,1 lfm
Uwe Koch (1958-1997) 1,1 lfm
Maik Scharf (1987-1994) 0,1 lfm
Manfred Thiele (1945-2009) 0,5 lfm
Matthias Tordinic (1941-2002) 0,1 lfm
2.2 Dienst- und Handbibliothek
Einige Publikationen konnten als Sachspenden in das Archiv übernommen werden. Wir danken allen SpenderInnen! Aufgrund fehlender Finanzmittel konnten jedoch auch in diesem Berichtszeitraum keine Neuerscheinungen erworben werden. Für die Arbeitsfähigkeit des Archivs besteht hier dringender Handlungsbedarf.
2.3 Infrastruktur
Durch die Einwerbung von Projektmitteln konnten einige dringende Investitionen im Bereich digitaler Speicher- und Sicherungstechnik vorgenommen werden. Insbesondere im Rahmen des Projektes „Sicherung von Audiodokumenten“ (s.u.) konnte ein File-Server angeschafft werden, so dass das Problem der auch im ThürAZ verstärkt anfallenden elektronischen Dokumente und deren Sicherung und Nutzung derzeit gelöst werden kann.
2.4 Benutzung des Archivs 2008
Im Jahr 2008 sind 128 Archivnutzungen zu verzeichnen. Insgesamt wurden sieben Führungen veranstaltet, davon zwei für das Tutorium „Osteuropäische Geschichte“ der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit durchschnittlich fünfzehn TeilnehmerInnen. Die TeilnehmerInnen dieses Tutoriums erhielten eine Einführung in die Archiv- und Quellenkunde und arbeiteten in einer Veranstaltung mit Quellen. In einem Archivworkshop mit 15 TeilnehmerInnen wurde zusätzlich zur Einführung in das Archiv, welche Quellenarbeit einschließt, ein Zeitzeugengespräch angeboten.
Themenschwerpunkte in der Benutzung waren: Unterschied von Demokratie und Diktatur, Denkmal für Jena, Evangelische Studentengemeinde in Jena, Friedensbewegung in Erfurt in der Endphase der DDR, Friedliche Revolution, Universitätsgeschichte, Jugendkulturen der 70er Jahre, Offene Arbeit, Künstler in der DDR, Schwarzwohnen in der DDR, MfS-Untersuchungshaft, Subkultur.
2.5 Quellennachweise
Für folgende 2008 erschienene Publikationen wurden Quellen aus den Beständen des ThürAZ genutzt (Auswahlliste):
- Reiner Merker, Handlungsfeld Öffentlichkeit. Opposition in den 70er/80er Jahren in Gera, in: Leonore Ansorg u.a. (Hg.), Politische Gegnerschaft in der DDR. Herrschaftswandel und Opposition in der Ära Honecker, Köln/Weimar/Wien 2009.
- Katharina Lenski: Samisdat und Öffentlichkeit. Kommunikation und Wahrnehmung der Opposition in den 70er und 80er Jahren in der DDR, Jena, 17. Mai 2008, Tagungsbericht, in: DA 41 (2008), S. 711-714.
- Ehrhart Neubert: Unsere Revolution. Die Geschichte der Jahre 1989/90, München/Zürich 2008.
- Reiner Merker, Spannungsfeld zwischen „Aufarbeitung“ und „klassischem“ Archiv. Arbeitsbedingungen und Bedeutung der DDR-Oppositionsarchive, in: DA 41 (2008) 2, S. 295-301.
3. Öffentlichkeitsarbeit
3.1 Internetpräsenz des ThürAZ 2008
Die Internetpräsenz des ThürAZ dient neben der Information zu den im ThürAZ befindlichen Beständen der Veröffentlichung von Fachinformationen aus der archivischen Arbeit, sowie den Angeboten der Bildungsarbeit. Darüberhinaus finden sich hier auch Beiträge des ThürAZ zu Fragen der Diskussion um die Zukunft der Aufarbeitungslandschaft zur Geschichte der SED-Diktatur. Für die Website des ThürAZ (www.thueraz.de) sind für den Zeitraum 2008 folgende Zugriffszahlen zu verzeichnen:
Monat Besuche Seiten
Januar 865 1432
Februar 896 1376
März 1072 1564
April 1005 1492
Mai 1125 1754
Juni 932 1392
Juli 892 1261
August 815 1365
September 804 1254
Oktober 906 1382
November 1018 1531
Dezember 957 1420
3.2 Führungen durch das Archiv
Neben den laufenden Benutzereinführungen wurden im Jahr 2008 sieben Führungen durchgeführt. Die Themen entsprachen den Themen der Archivbenutzung. Die Führungen beinhalteten jeweils Einführungen zur Quellenkunde und exemplarische Erörterungen zum Kontext der Überlieferungen.
3.3 „Zum Umgang mit Bürgern innerhalb von Diktaturen“
Ein Graffitiworkshop von Jugendlichen in Kooperation mit Streetwork Winzerla und der Firma „Farbgefühl“ am 28./29.8.2008 an der Umfassungsmauer des ehemaligen Gefängnisses „Am Steiger“ bot die Möglichkeit auf unkonventionelle Art und Weise, sich mit der DDR-Geschichte auseinanderzusetzen. An der Umfassungsmauer des ehemaligen Gefängnisses an der Straße des 17. Juni/Humboldtstraße brachten Jugendliche Graffitis an, welche die repressiven Räume der DDR im Kontrast zu heutigen Studentenzimmern darstellen. Mit viel Können haben die Graffiti-KünstlerInnen, u.a. von der Firma „Farbgefühl“, sich dieser Aufgabe gewidmet.
3.4 Veranstaltungen, Vorträge, Debatte 2008
3.4.1 Tagung: Samisdat und Öffentlichkeit. Kommunikation und Wahrnehmung der Opposition in den 70er und 80er Jahren in der DDR (17.05.2008)
Am 17. Mai 2008 veranstaltete das ThürAZ in Räumen der Friedrich-Schiller-Universität eine Fachtagung unter dem Titel „Samisdat und Öffentlichkeit. Kommunikation und Wahrnehmung der Opposition in den 70er und 80er Jahren in der DDR“. Ausgangspunkt der Veranstaltung war, dass der Samisdat in der DDR eine wesentliche Bedeutung für die Herausbildung von „Artikulationsräumen” in der SED-Diktatur der zweiten Hälfte der 80er Jahre hatte, diese aber bisher nur vereinzelt in den Blick genommen wurde. Diese Publikationsform ermöglichte die informationelle Einbindung von Gruppen und Einzelpersonen in ein DDR-weites oppositionelles Netzwerk, die damit nicht mehr ausschließlichlich von persönlichen Kontakten abhängig war. Gleichzeitig stellt sich jedoch die Frage, inwiefern der Samisdat über den Kreis der Opposition hinaus rezipiert wurde, welche Konzepte öffentlicher Artikulation damit verbunden waren und umgesetzt wurden? Zudem erscheint bei dieser Fragestellung der Vergleich mit dem Samisdat osteuropäischer Staaten, wie Polen oder der Tschechoslowakei lohnend, insbesondere vor dem Hintergrund der Unterschiedlichkeit der Entwicklungen. Zu diesen Themen trugen Dr. Andrea Genest, Mateusz Falkowski, Dr. Christian Lotz, Dr. Marketa Spiritova, Dr. Tomas Vilimek und Reiner Merker Ergebnisse ihrer jeweiligen Forschungstätigkeit bei. Im Anschluß diskutierten Udo Scheer, Thomas Grund und Matthias Kuppke das Thema am Beispiel der Stadt Jena im Zeitraum von 1973 bis 1989.
Die Tagesordnung, Abstracts und der Tagungsbericht können unter www.thueraz.de abgerufen werden.
3.4.2 Tagung „Wegmarken in Kirche und Gesellschaft“ der Evangelische Akademie Thüringen
Am 7. und 8. November 2008 veranstaltete die Evangelische Akademie Thüringen in Neudietendorf eine Tagung unter dem Titel „Wegmarken in Kirche und Gesellschaft“. Die Tagung nahm die Geschichte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen seit von 1948 bis 1989 in den Blick. Reiner Merker trug hier zum Thema „Staat und Kirche in Gera in den 1980er Jahren“ vor und präsentierte damit Ergebnisse aus der gemeinsamen Arbeit mit Katharina Lenski zur Opposition in Gera in den 80er Jahren.
3.4.3 Tagung „Politische Verfolgung von Universitätsmitarbeitern und Studenten am Beispiel der Friedrich-Schiller-Universität Jena von 1945 bis 1989“
Am 28. und 29. November 2008 veranstaltete die „Senatskommission zur Aufarbeitung der Jenaer Universitätsgeschichte” der Friedrich-Schiller-Universität Jena in Kooperation mit dem Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk” sowie den weiteren PartnerInnen - der Bundesstiftung Aufarbeitung, der LZT und der Geschichtswerkstatt Jena - eine Tagung unter dem Titel: „Politische Verfolgung von Universitätsmitarbeitern und Studenten am Beispiel der Friedrich-Schiller-Universität Jena von 1945 bis 1989 - eine Tagung zur Vergangenheitsklärung”.
Katharina Lenski stellte dort Forschungsergebnisse zu Universität und Staatssicherheit vor.
3.5 Debatte zur Aufarbeitungslandschaft
3.5.1 Sicherung der Aufarbeitungslandschaft des Landes Thüringen
Auf Initiative des ThürAZ wandten sich die Gesellschaft für Zeitgeschichte, die Geschichtswerkstatt Jena, die Gedenkstätte Amthordurchgang Gera und das ThürAZ am 16. Oktober 2008 in einem gemeinsamen Brief an den Ministerpräsidenten Althaus mit der Bitte, zur Sicherung der Aufarbeitungslandschaft im Freistaat Thüringen aktiv zu werden.
Beinahe zeitgleich, am 22. Oktober 2008 wurden im TKM die Empfehlungen der Expertenkommission zur Andreasstraße vorgestellt, in dem die fachlichen Anforderungen an die zukünftige Gedenkstätte in Erfurt definiert wurden. Empfohlen wurde von der Kommission, dass die Stiftung Ettersberg die Gedenkstätte übernimmt. Zugleich erklärte das Thüringer Kultusministerium, die Aufarbeitungslandschaft in ihrer derzeitigen Form sichern und in ihrer Professionalisierung mit Hilfe eines Geschichtsverbundes unterstützen zu wollen. Dazu reichten die Initiativen jeweils eine Kurzdarstellung zu Stand, Ausstattungsanforderungen und Perspektiven ein, so auch das ThürAZ. Zudem wurde die Arbeit des Archivs im Rahmen einer Anhörung vorgestellt und in der Folge an mehreren Runden des TKM zur Frage der Sicherung der Aufarbeitungslandschaft aktiv mitgearbeitet.
Das ThürAZ stellte in einem Rundbrief an die Thüringer Aufarbeitungsinitiativen einen Vorschlag für einen Geschichtsverbund vor. Ein erster Schritt wäre die Übergabe der Trägerschaft Gedenkstätte Andreasstraße an die Stiftung Ettersberg gewesen. Zum Zweiten ist die Professionalisierung der Aufarbeitung undenkbar ohne eine Grundmittelausstattung durch das Land und die Kommunen. Die Diskussion hat bislang noch nicht zu einer langfristigen Perspektive der Thüringer Aufarbeitungsinitiativen geführt, was angesichts der Feierlichkeiten zur Friedlichen Revolution 1989 nicht nur paradox klingt, sondern auch den Widerspruch zwischen offiziellen Feierlichkeiten und fehlender Basisausstattung der Aufarbeitung in Thüringen zeigt. Trotzdem ist es notwendig, die Arbeit im Dreieck von Initiativen, Wissenschaft und Politik zu stärken und die Professionalisierung der Aufarbeitung zu forcieren.
3.5.2 Gedenkkonzeption der Stadt Jena
Das ThürAZ brachte sich aktiv in die Debatte zum Vergangenheitskonzept der Stadt Jena ein und übernahm temporär koordinierende Funktion. Im Anschluß an die Debatte faßte der Kulturausschuß der Stadt Jena den einstimmigen Beschluß, die institutionelle Ausstattung des ThürAZ (im Jahr 2009 wurde das ThürAZ erstmals mit der Hälfte der jährlichen Miet- und Betriebskosten gefördert) um eine Personalstelle zu erweitern und damit die Professionalisierung, Profilbildung und langfristige Verankerung des Archivs in der Stadt zu unterstützen.
Im Zusammenhang mit der Denkmalsdebatte der Stadt Jena (vgl. Debatte um das Johannsmeier Denkmal) brachte das ThürAZ die Idee ein, einen Lern- und Begegnungsort mit dem Denkmal zu verknüpfen.
4. Forschung & Bildung
4.1 Projekte des ThürAZ
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt des ThürAZ sind Projekte in den Bereichen Forschung und Bildung insbesondere zu Themen der Geschichte von Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur. Im Jahr 2008 wurden folgende Vorhaben realisiert:
1) Sicherung von Audiodokumenten
Das Projekt „Sicherung von Audiodokumenten“ diente dem Erhalt, der Langzeitarchivierung und der Bereitstellung von Audiodokumenten im Bestand des ThürAZ für die NutzerInnen. Mit dem Projekt wurden Erschließungsinformationen zur Verfügung gestellt und gleichzeitig die Bestände nach heutigen Maßstäben dauerhaft langzeitarchiviert. Ein wesentliches Ziel bestand in der möglichen Verfügbarkeit des Datenformates, der Audiodokumente auf verschiedenen Hardwareplattformen/Betriebsystemen und damit in der zukünftig einfachen Rekonversion der Daten unter sich ändernden Systemvoraussetzungen.
Innerhalb der Sammlungstätigkeit des ThürAZ sind neben den schriftlichen Zeugnissen zu Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur eine ganze Reihe von Audiodokumenten eingeworben worden. Dabei handelt es sich zum einen um Dokumente der Opposition und des unangepaßten Verhaltens in der SED-Diktatur, wie Veranstaltungs- und Konzertmitschnitte, zum anderen um Dokumente der Aufarbeitung, wie bspw. Zeitzeugeninterviews.
Die Dokumente wurden im Projekt digitalisiert und über eine Datenbank erschlossen. Neben der Sicherung im wav-Format auf CD-ROM und Fileserver, steht nun auch eine Nutzerversion im mp3-Format zur Verfügung, die unmittelbar aus der Datenbank heraus aufgerufen werden kann. Dieses Projekt wurde gemeinsam von der Stiftung Aufarbeitung und dem Thüringer Kultusministerium finanziert und von Reiner Merker umgesetzt.
2) "Von Liebe und Zorn. Jungsein in der Diktatur"
Ein weiteres Projekt beschäftigte sich mit der „Anderen“ Jugendkultur in der DDR, es war für zweieinhalb Jahre konzipiert, in seinem Ergebnis sollte eine Ausstellung stehen, die zwischenzeitlich unter Trägerschaft des „Freiheit e.V.“ in Erfurt eröffnet worden ist. Finanziert wurde das Projekt von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Bundesstiftung Aufarbeitung und wurde von Marina Böttcher und Uwe Kulisch umgesetzt.
3) Ausstellungen
Die Ausstellung „Briefe von der waffenlosen Front“ wurde vom Februar bis Oktober 2008 in der Zivildienstschule Sondershausen gezeigt. Eröffnet wurde sie mit einer Lesung von Dr. Stefan Wolter , der in seinem Buch „Der Prinz von Prora“ Eindrücke seiner Bausoldatenzeit schilderte. In den Folgewochen wurde die Ausstellung in den Unterricht zur politischen Bildung der Zivildienstschule einbezogen, so dass Zivildienstleistende auf Grundlage diese Ausstellung Vorträge halten durften. Die beiden ehemaligen Bausoldaten Joachim Grabietz und Andreas Ilse hielten als Zeitzeugen regelmäßig Vorträge und standen während des Unterrichtes Rede und Antwort zum Thema Waffen- und Wehrdienstverweigerung in der DDR. Seit Dezember 2008 wurde die Ausstellung an der Zivildienstschule Holzen im Weserbergland gezeigt. Auch hier erfolgte eine Einbeziehung in den Unterricht der Schule.
4.2 Weitere Angebote für Bildungsträger
Neben dem Basisangebot der öffentlichen Verfügbarkeit von ca. 400 lfm. Archivbeständen mit Ego-Dokumenten, Fotos, Filmen u. a. Zeugnissen der ehemaligen Bürgerrechts-, Friedens- und Umweltbewegung bietet das Archiv Bildungsveranstaltungen für SchülerInnen, Studierende und Erwachsene an:
- Vorträge und Quellenworkshops zu ausgewählten Themen (Methodik und/oder Sachthemen zur DDR-Geschichte wie beispielsweise: Jugend in der DDR, Kirche, Universitäten, Kunst und Kultur, Wohnmilieus, Leben mit Behinderung, Friedensbewegung, Erziehung, alternatives Leben, Repression, Haft, Opposition, Wende 1989)
- Rundtischgespräche mit WissenschaftlerInnen und ZeitzeugInnen
- Ausstellungen: Wehrdienstverweigerung in der DDR, JUNE 78/79, ständige Ausstellung des ThürAZ
- Weiterbildungen von MultiplikatorInnen zur DDR-Geschichte, zu den Möglichkeiten der Verwertung von Quellen im ThürAZ für Bildungsveranstaltungen u. a.
- Führungen mit Gruppen bis zu 15 Personen
- Fachtagungen zu ausgewählten Themen
4.3 Zusammenarbeit & Kooperationen
Wie in den vorangegangenen Jahren kooperierte das Archiv mit weiteren Einrichtungen und Personen:
- Senatskommission zur Aufarbeitung der Jenaer Universitätsgeschichte im 20. Jahrhundert: Bereitstellung von Fotografien, Unterstützung von Recherchen
- Medien: Bereitstellung von Fotografien, Schriftquellen, Interviews, ZeitzeugInnenkontakten und Recherchen (studentische, lokale und überregionale Zeitungen, Radio und TV)
- Historisches Institut der FSU, Institut für Erziehungswissenschaften, Theologische Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena: studentische Veranstaltungen, Seminar- und Abschlussarbeiten, Dissertationen
- Schulen in der Region: Unterstützung bei Seminarfacharbeiten, Führungen, Zeitzeugengespräche
- Evangelische Studentengemeinde Jena: Recherchen für Jubiläumsprojekt
- Verein Zeitgeschichte(n) Halle: Unterstützung Publikationsprojekt

