Aktuelles
9.–14. April 2011
Grenzgänge. Gedenkwoche zum 30. Todestag von Matthias Domaschk
Veranstaltungsreihe in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen, dem Historischen Institut der Friedrich-Schiller Universität Jena und dem Offenen Kanal Jena.
Matthias Domaschk (12.06.1957–12.04.1981) gehörte seit 1975 zum Umfeld der Jungen Gemeinde Jena Stadt-Mitte. Im November 1976 beteiligte er sich aktiv an den Protesten gegen die Biermann-Ausbürgerung. Daraufhin schloss man ihn von den Abiturprüfungen aus. Seine Ausbildung zum Feinmechaniker beim VEB Carl Zeiss Jena durfte er beenden. 1977 nahm er mit seiner damaligen Freundin Renate Ellmenreich in Prag Kontakt zur Menschenrechtsgruppe „Charta 77“ auf. Im gleichen Jahr zog man ihn zur Armee ein, im April 1979 kehrte er nach Jena zurück.
Am 10. April 1981 wurde er mit seinem Freund Peter Rösch 1981 auf dem Weg nach Berlin in Jüterbog aus dem Zug heraus festgenommen und am nächsten Tag nach Gera überstellt. Die Geraer MfS-Untersuchungshaft überlebte der Dreiundzwanzigjährige nicht. Die genauen Umstände seines Todes sind bis heute nicht geklärt.
Sonnabend, 09. April 2011, 11:00 Uhr
Treffpunkt: ThürAZ, Dauer: ca. 1,5–2 h
Matthias Domaschk – ein Grenzgänger? Stadtführung mit Weggefährten
Am ehemaligen Wohnhaus von Matthias Domaschk, der Jungen Gemeinde Stadtmitte, in der Gartenstraße oder an der ehemaligen MfS-Kreisdienststelle erzählen Freunde und BegleiterInnen aus ihren Erinnerungen an Matthias Domaschk und die alternative Jugendszene in Jena. Die dialogische Führung u.a. mit Renate Ellmenreich, seiner damaligen Lebensgefährtin, seinem Freund Peter Rösch und Thomas Auerbach, bis 1977 Jugendwart in Jena, wird ergänzt durch historische Fotos und zeithistorische Einordnungen.
Sonnabend, 09. April 2011, 16:00 Uhr
Ort: ThürAZ
Zwischen Aufklärung und Schweigen. Die Bedeutung der juristischen Aufarbeitung des Todes von Matthias Domaschk
Wie verlief die juristische Auseinandersetzung um den Tod von Matthias Domaschk? Welche Aspekte kamen zur Sprache? Welche Möglichkeiten und Grenzen hat die rechtliche Aufarbeitung von DDR-Unrecht?
Im Podiumsgespräch stellen drei VertreterInnen der Justiz ihre Perspektive auf den Fall M. Domaschk vor: ein Rechtsanwalt, ein Richter und eine Staatsanwältin.
Rechtsanwalt Wolfgang Loukidis vertrat Renate Ellmenreich im ersten Prozess gegen die MfS-Offiziere. Trotz umfangreicher Einwände gegen die Selbstmordthese stellte die Staatsanwaltschaft Erfurt das Verfahren ein, da kein konkreter Tatverdacht gegen einen der MfS-Mitarbeiter belegt werden konnte. Im Jahr 2000 wurden sechs MfS-Hauptamtliche wegen „Freiheitsberaubung“ zu Geldstrafen verurteilt. Am 27. September 2000 fand eine achtstündige öffentliche Verhandlung in Gera statt, weil zwei MfS-Mitarbeiter Einspruch gegen ihre Strafbefehle eingelegt hatten. Die an diesem Verfahren Beteiligten, der Richter Christian Hollandmoritz vom Amtsgericht Gera sowie die Staatsanwältin Christiane Neubig aus Erfurt sind zu dem Gespräch eingeladen.
Dienstag, 12. April 2011, 17:00 Uhr
Ort: Nordfriedhof Jena
Einweihung des neu gestalteten Ehrengrabes für Matthias Domaschk
Mittwoch, 13. April 2011, 20:00 Uhr
Ort: Rosensäle der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Fürstengraben 27
„Die Widerspenstigen von Jena bereiten der DDR Verdruß“ – Der Fall Matthias Domaschk in den Medien
Der ungeklärte Tod von Matthias Domaschk, der Versuch ihn geheim zu halten, sowie die juristische Aufarbeitung nach 1990 erregten in der Bundesrepublik vor 1990 Aufsehen und beschäftigten die Medien auch nach der Wiedervereinigung. Auf welchen Wegen verliefen die Recherchen? Welche Bedeutung kommt der Berichterstattung durch die Medien zu, wenn eine Aufklärung durch die Justiz nach 1989 kaum möglich ist?
Namhafte Journalisten, die vor und nach 1989 zum Fall Matthias Domaschk recherchierten, wie Dieter Bub (DDR-Korrespondent STERN), Claus-Christian Malzahn (DER SPIEGEL) und Roland Jahn (ARD: KONTRASTE, angefragt) diskutieren darüber hinaus die generelle Bedeutung der bundesdeutschen Medien für die Veröffentlichung unterdrückter Informationen vor 1989 und für die Aufarbeitung.
Moderieren wird diesen Gesprächsabend Dr. Annette Leo, Historikerin und Publizistin, seit 2006 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Koordinatorin des Forschungsprojektes „Erinnerung – Macht – Geschichte“.
Donnerstag, 14. April 2011, 19:30 Uhr
Ort: Kino im Schillerhof, Helmboldstraße 1
Eintritt: 3,00 / 1,50 Euro
„hinterhofproduction“ Jena präsentiert:
Mach ma Mugge rein! Musik in der „Diktatur des Proletariats“
Collageartig hat Thomas „Kaktus“ Grund historische Super 8 - Amateurfilme aus den 1970er und 1980er Jahren zusammengestellt, die aus dem Umfeld der Offenen Arbeit der Jungen Gemeinde Jena-Stadtmitte stammen. Drei von 17 Millionen DDR-Bürgern erzählen heute aus ihren unterschiedlichen Biographien: Wie sie Musik von Blues bis Punk für sich entdeckten und durch Reglementierungen politisiert wurden.
Die Interviewsequenzen werden ergänzt durch Konzertausschnitte von „Airtramp“. Der Film stellt Haltungen, Motivationen und Erfahrungen von Protagonisten aus der Musikszene und Jugendkultur in Jena vor und nach 1989 vor. Im Anschluss an die Filmpräsentation steht der Regisseur Thomas „Kaktus“ Grund für ein Gespräch zur Verfügung.
Bitte beachten Sie auch die Veranstaltungen der Geschichtswerkstatt Jena e.V. am 8. April 2011!


