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Thüringer Archiv für Zeitgeschichte (ThürAZ)

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Aktuelles

 

19. März 2010

Erklärung zur Diskussion um den Direktor der BStU Hans Altendorf

Dem Direktor der BStU Hans Altendorf wird vorgeworfen, biographische Details im Zusammenhang mit seinem Engagement im „Weltfriedensrat“ und anderen Organisationen verschwiegen zu haben. Da dort Inoffizielle Mitarbeiter des MfS installiert gewesen seien, habe er dort nicht mitarbeiten dürfen oder zumindest seine Mitgliedschaft offenlegen müssen, zudem hätte er mit seinem Engagement der SED-Diktatur nahe gestanden.

 

Will man den Fall Altendorf sachlich mit Ursachen und Konsequenzen klären, hilft moralische Betroffenheit nicht weiter! Die Diskussion um Altendorf, sollten ihm denn Verfehlungen nachgewiesen werden können, zeigt jedoch, wie wichtig es ist, bei der Aufarbeitung der SED-Diktatur auch die Geschichte der BRD, linke wie konservative Gruppierungen und ihren wechselseitigen Bezug zur DDR, in den Blick zu nehmen. Auch hierfür sind künftig die Akten der BStU offen zu halten, und so eine einseitige und vorschnelle Bewertung zu verhindern.

 

Dieser Fall weist auf die dringliche Notwendigkeit, ab sofort wieder eine unabhängige Arbeitsgruppe zur Aufklärung der Westarbeit des MfS einzusetzen. Erst mit einer von unabhängigen WissenschaftlerInnen besetzten Arbeitsgruppe wird es möglich werden, Aufklärung zu erreichen.

 

Deshalb müssen:

  1. wieder eine unabhängigen Arbeitsgruppe zur Aufklärung der Westarbeit des MfS eingesetzt werden und
  2. die Ressourcen zur Erschließung der Quellen, zur Rekonstruktion vorvernichteter Akten und für die Erarbeitung von Findhilfsmitteln optimiert werden.

Sowohl das Verschweigen als auch populistisch wirkende Entrüstung über Verstrickungen und Verfehlungen auch auf dem Gebiet der ehemaligen Bundesrepublik bergen lediglich weiteren kontraproduktiven Konfliktstoff und verhindern die Entstehung eines gemeinsamen Ost-West-Geschichtsbewusstseins. Doch dieses muss eines der Ziele der Aufarbeitung sein.