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Thüringer Archiv für Zeitgeschichte (ThürAZ)

Hausanschrift:
Camsdorfer Ufer 17
Jena 07749

Tel.: +49 (0)3641 539304

Öffnungszeiten:
Di 9–15 / Do 9–18
u.n. Absprache

 
 

Aktuelles

 

22. Februar 2011

Erklärung zu Bericht und Empfehlungen der Historiker-Kommission für eine „Landesförderkonzeption für Gedenkstätten und Lernorte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“

In der vergangenen Woche legte die vor einem Jahr von Kultusminister Christoph Matschie einberufene Historiker-Kommission unter Leitung von Prof. Dr. Volkhard Knigge, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora sowie Lehrstuhl für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit der FSU Jena, ihren Abschlussbericht vor. Ziel der Kommission war es, der Thüringer Landesregierung tragfähige und im Ergebnis einer fachlichen Evaluierung der entsprechenden Institutionen erarbeitete Empfehlungen für die weitere Förderung im Bereich der DDR-Erinnerung an die Hand zu geben.

Erstmals wurde damit ein für die Aufarbeitungsinstitutionen transparentes Procedere installiert, welches fachlichen Standards Priorität einräumt. Als weiteres Ziel will die Kommissison die dezentrale Struktur der Aufarbeitungslandschaft Thüringens aufrecht erhalten und damit die Professionalisierung der bürgerschaftlichen Bemühungen vor Ort sowie den Einbezug der Zeitzeug/innen würdigen und fördern. In ihren fünf teils zweitägigen Sitzungen besuchte die Kommission u.a. auch das ThürAZ, informierte sich eingehend über dessen Arbeit und erhielt von den Mitarbeiter/innen des Archivs detaillierte Antworten auf die gestellten Fragen.

Im Ergebnis hebt die Kommission in ihren Empfehlungen die große Bedeutung des ThürAZ hervor, das nunmehr bereits seit 20 Jahren aktiv ist: „Das Archiv, das aus Opposition und Friedlicher Revolution entstanden ist, steht zugleich für die frühen Aufarbeitungsbemühungen in Thüringen, das die vielfältigen Überlieferungen zu Opposition, Widerstand und alternativen Lebensformen sowie Milieus in Thüringen sammelt, erschließt und für Forschungs- und Bildungsarbeit zur Verfügung stellt. Die Sammlung ist für eine umfassende Geschichtsschreibung in der DDR relevant und für die Darstellung der Vernetzung der Opposition in der DDR aufschlussreich. Diese o.g. Aspekte können von staatlichen klassischen Archiven nicht hinreichend abgedeckt werden.“ Die umfangreiche Sammlungs- und Erschließungstätigkeit mit knapp einhundert Vor- und Nachlässen, insbesondere von früheren DDR-Oppositionellen, wird im Fazit betont: „Neben der Bedeutung der archivalischen Sammlungen ist die Verbindung von Archiv- und Bildungsarbeit hervorzuheben“. Die Kommission empfiehlt, die finanzielle Förderung des Archivs „durch Land und Stadt dauerhaft zu gewährleisten und fortzuführen“.

In den kommenden Jahren wird das ThürAZ seine Angebote für die Aufarbeitung in Thüringen entsprechend den Empfehlungen weiter ausbauen. So werden dem Archiv immer mehr Bestände von Menschen der DDR-Opposition übergeben, die für Forschende und Interessierte, für Ausstellungen, Filme und Publikationen sowie für die Bildungsarbeit erschlossen und zur Verfügung gestellt werden. Schon heute bietet das ThürAZ eine fundierte Bildungsarbeit an, die dem Konzept des entdeckenden Lernens und der Verbindung von historischer Forschung mit Zeitzeugenarbeit verpflichtet ist.

Seit dem Jahr 2009 hat bereits die Stadt Jena in ihrem Konzept zum Umgang mit der DDR-Vergangenheit die Bedeutung des ThürAZ als Archiv- und Bildungseinrichtung erkannt und im Jahr darauf mit den Stimmen aller Fraktionen erstmals eine Optionsförderung beschlossen. Das Land Thüringen beteiligt sich an den Kosten durch eine jährlich neu zu beantragende Projektförderung, eine verlässliche und langzeitig ausgerichtete Förderung steht noch aus. Große Teile der Arbeit werden bis heute ehrenamtlich geleistet.

Neben Prof. Knigge gehörten der Kommission Prof. Dr. Peter Maser (ehemaliger Direktor des Ostkirchen-Instituts der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster als Stellvertretender Vorsitzender), Prof. Dr. Rainer Eckert (Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig), Prof. Dr. Klaus-Dietmar Henke (Lehrstuhl für Zeitgeschichte der TU Dresden), Dr. Anna Kaminsky (Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur), Prof. Dr. Hermann Wentker (Leiter der Abteilung Berlin des Instituts für Zeitgeschichte München) an.