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19. April 2016

Gedenken an Matthias Domaschk zu seinem 35. Todestag

Renate Ellmenreich und Ministerpräsident Bodo Ramelow bereiten sich auf die gemeinsamen Fürbitten vor. Foto: ThürAZ

In einer Feierstunde auf dem Jenaer Nordfriedhof gedachten am Samstag, den 16. April 2016 Angehörige, Weggefährten und Gäste des am 12. April 1981 verstorbenen Matthias Domaschk. Der damals 23jährige kam in der Geraer Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit ums Leben.
Seit März 2015 beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe bei der Thüringer Staatskanzlei erneut mit dem Todesfall, nachdem die bisherigen Strafprozesse nicht zur eindeutigen Aufklärung der Todesumstände geführt hatten. Abgeschlossen worden war der letzte juristische Prozess im Jahr 2000 mit Geldstrafen, die gegen sechs der 1981 beteiligten Mitarbeiter des MfS verhängt worden waren – auf Grundlage des Tatbestands der Freiheitsberaubung.
Die ehemalige Lebensgefährtin Matthias Domaschks Renate Ellmenreich hatte den Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow im Dezember 2014 zur Einrichtung der Kommission aufgefordert. Neben dem Rechtsanwalt Wolfgang Loukidis, der Renate Ellmenreich von 1995 bis 1999 im Strafprozess gegen ehemalige MfS-Mitarbeiter vertrat, sind der Historiker Dr. Henning Pietzsch, der Freund und Wegbegleiter Matthias Domaschks Peter Rösch sowie Renate Ellmenreich selbst Teil der Arbeitsgruppe. Seitens der Thüringer Landesregierung begleitet Staatssekretärin Dr. Babette Winter die Tätigkeit der Gruppe.

Zur Begrüßung sprach Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter am Ehrengrab. Es folgten eine Ansprache durch Peter Rösch und ein Psalmgebet durch den Superintendenten Sebastian Neuß. Gemeinsam mit Renate Ellmenreich sprach Ministerpräsident Bodo Ramelow im Anschluss Fürbitten, die unter anderem den Wunsch beinhalteten, die Herzen der Täter möchten sich öffnen, um ihnen das Reden zu ermöglichen. Mit Bezug auf "Matz, dessen Lächeln so sanft war", baten beide außerdem um Frieden für heutzutage von Verfolgung Betroffene.

Während das Musiker-Duo Matthias Hejlik (Violoncello) und Anna Koch (Violine) die umrahmenden Stücke unter den Spannungsbogen "Trauer – Kampf – Versöhnung" stellte, las der Thüringer Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur Christian Dietrich in seinem Schlusswort das Gedicht "Nicht alle Schmerzen sind heilbar" von Ricarda Huch:

Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen
Sich tiefer und tiefer ins Herz hinein,
Und während Tage und Jahre verstreichen,
Werden sie Stein.

Du sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre,
Sie scheinen zerronnen wie Schaum.
Doch du spürst ihre lastende Schwere
Bis in den Traum.

Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
Die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in meinem Herzen ist eine Stelle,
Da blüht nichts mehr.

An die Gedenkstunde auf dem Friedhof schlossen sich ein Kaffeetrinken im ThürAZ und geselliges Beisammensein in der Jungen Gemeinde Stadtmitte an. Dort wurden auch die Dokumentationsfilme "Tod im Stasiknast" von Andreas K. Richter und Tom Franke sowie "Matthias Domaschk 2.0 – Unfall oder kalkulierter Tod" von Tom Franke gezeigt.

Organisatoren der Veranstaltungen in Gera und in Jena waren die BStU-Außenstelle Gera, die Gedenkstätte Amthordurchgang e. V., die Geschichtswerkstatt Jena e. V., das ThürAZ und der Thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Unterstützt wurden sie von der Robert-Havemann-Gesellschaft e. V.